Kennedy-Syndrom
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Das Risiko, zu erkranken, beträgt bei dieser Konstellation (Mutter Überträgerin, Vater gesund) für Jungen somit 50%, statistisch sind 50% der weiblichen Nachkommen Konduktorinnen, also Überträgerinnen. Bei erkrankten Vätern kann das Y-Chromosom nicht an den Sohn weitergegeben werden, Töchter sind aber immer Überträgerinnen.
Betroffen ist also das Gen für den Androgen-Rezeptor (s.o.). Hier treten schon beim Gesunden in einer bestimmten Region des Gens Wiederholungssequenzen der dortigen kodierenden Basen. Statt 9 bis 36 Abfolgen von den Basen CAG (Cytosin, Adenin, Guanin) liegen in diesem Bereich bei der bulbospinalen Muskelatrophie 38 bis 62 solcher Tripletts vor. Je mehr Wiederholungen dieser Tripletts vorliegen, desto früher ist der Krankheitsbeginn und um so schwerer ist der Verlauf der Erkrankung.
Kennedy-Syndrom – Therapie
Das Ausmaß der Anhäufung der mutierten Androgen-Rezeptoren scheint von Bedeutung
für den Krankheitsprozess zu sein. Die Menge der angehäuften Androgen-Rezeptoren
hängt vom Spiegel des im Körper zirkulierenden Testosterons ab. Therapeutisch
ist deshalb eine Minderung des Testosterons ein Vorgehen, das erwogen wird. Im
Mausmodell der Erkrankung konnte gezeigt werden, dass Beginn und Fortschreiten
durch eine Kastration günstig beeinflusst werden konnte. In einer von Banno und
Mitarbeitern im Jahre 2009 in den Annals of Neurology veröffentlichten Studie
wurde untersucht, ob Leuprorelin, ein so genannter LH-RH-Antagonist, welcher die
Freisetzung des Androgens Testosteron aus den Hoden reduziert, einen günstigen
Effekt beim Menschen hat. Dabei wurden 50 Patienten mit einem Kennedy-Syndrom über einen Zeitraum von 48 Wochen in einer kontrollierten Studie
untersucht. Es schloss sich daran eine offene Beobachtungsphase von weiteren 96
Wochen an. Dabei führte die Behandlung mit Leuprorelin zu einer signifikanten
Verlängerung der so genannten cricopharyngealen Öffnungszeit, ein Parameter, der
für den Schluckakt Bedeutung hat. Weiter wurde eine Minderung der mutierten
Androgenrezeptoren in der Haut beobachtet. Auch die Erhöhung des Muskelenzyms CK
nahm signifikant ab. Patienten, die über den gesamten Zeitraum von 144 Wochen
das Medikament erhalten hatten, zeigten signifikant bessere motorische
Funktionen und insbesondere ein besseres Schluckverhalten als diejenigen, die
ein Placebo erhalten hatte. Nebenwirkungen sind Erektionsstörungen bei 52% der
Behandelten, eine Hypertriglyceridämie (erhöhte Fettwerte) bei 28%, Schmerzen im
Lendenwirbelbereich und Kopfschmerzen bei jeweils 20%. Eine Folgestudie ist
geplant, dann wird voraussichtlich abzuschätzen sein, ob der Behandlungseffekt
klinisch bedeutsam ist und das Präparat für die Behandlung vom
Beim Menschen wird eine Verbesserung der Muskelkraft unter der Gabe
von Androgenen beschrieben. Ob dies aber auf einen speziellen Effekt auf die
Erkrankung oder den allgemeinen Effekt auf die Muskulatur (im Sinne des Doping)
zurückzuführen ist, wurde bislang nicht geklärt. Die Daten berechtigen uns
nicht, grundsätzlich eine Behandlung von Patienten mit Androgenen beim
Eine gentherapeutische Behandlung
der Erkrankung existiert bislang nicht.
Kennedy-Syndrom – Rehabilitation
Physiotherapie und Ergotherapie
Die Schwäche der Muskulatur ist ein wesentliches Probleme der spinalen Muskelatrophien. Es gibt eine Reihe gut kontrollierter Studien, die die Effekte von Übung und Training auf die Muskelstärke von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen untersucht haben. Bei langsam fortschreitenden neuromuskulären Erkrankungen brachte beispielsweise ein 12-wöchiges Training mit moderatem Widerstand in einer Zunahme der Kraft um 4 bis 20% ohne negative Effekte. In der gleichen Patientengruppe hatte ein Training mit kräftigem Widerstand über 12 Wochen keinen zusätzlichen Nutzen gezeigt, aber Hinweise auf eine Schwäche durch Überbelastung bei einigen Patienten. Es gibt Hinweise, dass die Therapieverfahren für die verschiedenen neuromuskulären Erkrankungen unterschiedlich effektiv sind, hier müssen aber weitere Untersuchungen abgewartet werden, bis gesicherte Aussagen gemacht werden können.
Durch Training mit leichter bis mäßiger aerober Belastung wie Gehen, Schwimmen und Fahren auf dem Ergometer ist eine Verbesserung der muskulären Ausdauer und der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems und damit eine Minderung der Schwäche zu erzielen. Das Training erreicht nicht nur eine Besserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern trägt auch bei, ein günstiges Körpergewicht zu halten, Schmerzen durch Fehlbelastungen zu mindern und depressive Verstimmungen zu bessern.
Krankengymnastik dient also dem Erhalten der Kraft bzw. Kräftigung, vor allem aber der Funktionsverbesserung und –erhaltung, der Optimierung der Koordination. Die Verbesserung der Ausdauer ist ebenso ein wichtiges Ziel wie das Dehnen verkürzter Muskulatur zur Verhinderung von Kontrakturen. Krankengymnastik strebt weiter die Verbesserung von Durchblutung und Stoffwechsel an.
Ergotherapie hat ähnliche Ansätze wie Krankengymnastik, entwickelt seinen Schwerpunkt aber im Bereich der Arme und des Rumpfes. Eine Domäne der Ergotherapie ist die Versorgung mit Hilfsmitteln, z.B. Greifzangen, Rollstuhl, Aufrichthilfen, Toilettensitzerhöhungen. Ebenso stellt das Beüben alltagsrelevanter Aufgaben (ADL = Activities of daily living) einen wichtigen Bereich dar.
Physikalische Therapie umfasst die verschiedenen Formen der Massagen, die Wärme- und Kälte-Therapie (Thermotherapie), die Balneotherapie (Bädertherapie) und die Elektrotherapie.
Massagen dienen der Lockerung der verspannten Muskulatur, der Tonusverbesserung, der Verbesserung der Durchblutung und Ernährung der Muskulatur (Trophikverbesserung) durch Knetungen, Walkungen, Streichungen, Vibrationen und Bindegewebsmassage.
Die Thermotherapie (Wärme- und Kälte-Therapie) bietet Möglichkeiten, ebenfalls zu einer Lockerung verspannter Muskeln beizutragen. Hierzu gehören z.B. Infrarotkabine, Packungen (Fango, Moor) und Heiße Rolle. Bei umschriebenen Reizungen von Gelenken, beispielsweise bedingt durch Fehlbelastungen kann die lokale Kryotherapie, also Kälte, eingesetzt werden.
Elektrotherapie wird vorwiegend zur Schmerztherapie und zur Stimulation von Muskelgruppen eingesetzt. Durch nieder- und mittelfrequente Ströme werden Nerven und Muskeln stimuliert. Ein Muskelaufbau ist durch Elektrotherapie aber nicht zu erwarten.
Störungen des Sprechens sowie des Schluckens
stellen zentrale Arbeitsgebiete der Logopädie dar. Beim Kenndey-Syndrom kommen
Sprechstörungen vor. Sie sind bedingt durch Schwächen der für das Sprechen
benötigten Muskulatur. Diese wird logopädisch trainiert.
Auch die Therapie der Schluckstörungen fällt in den Aufgabenbereich der Logopädie. Störungen des Schluckens kommen besonders beim Kennedy-Syndrom vor. Erste Hinweise können sich aus Veränderungen der Stimme, wie Heiserkeit, und vermehrtem Verschlucken ergeben. Genauere Beurteilungen können durch Laryngoskopie (Spiegelung des Kehlkopfs) oder bestimmte Röntgen-Untersuchungen erfolgen. Therapeutische Hilfestellungen und ein adäquates Training können Logopäden geben.
Oft werden bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen depressive Störungen beobachtet. Ursache kann die Verarbeitung der Erkrankung sein, oft sind es aber auch Probleme der sozialen Integration und des Erhalts des Arbeitsplatzes. Selbsthilfegruppen können hier ganz wichtige Hilfestellungen geben, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen ist gerade Patienten mit seltenen Erkrankungen sehr zu empfehlen. In Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM, www.dgm.org) aktiv. Dort haben Sie Möglichkeiten zum Austausch und erhalten Hilfestellungen beim Lösen sozialer Probleme oder bei der Beratung bzgl. Hilfsmitteln.
Die Krankheitsverarbeitung spielt bei allen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Insbesondere bei chronisch fortschreitenden Erkrankungen ist es oft schwierig, eine konstruktive Einstellung zum Umgang mit der Erkrankung zu finden. Aber nur mit einer konstruktiven Einstellung kann der Patient optimal mithelfen bei der Behandlung. Gesprächsgruppen oder psychologische Einzelbehandlungen, z.B. im Rahmen einer spezialisierten stationären Rehabilitation, können hier sinnvoll sein.
Ergänzend kommen Entspannungsverfahren wie das autogene Training oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson zum Einsatz.
Hierbei können verschiedene
Aspekte zur Sprache kommen. Gilt es zum Beispiel den Arbeitsplatz zu retten,
kann das Beantragen einer der Behinderung angepassten Arbeitsplatzeinrichtung
wie evtl. auch die Vereinbarung zusätzlicher Pausen wichtige Unterstützung
bringen. Die Sozialarbeiter können bei diesen Problemen beraten und
unterstützen. Sie wissen, welche Kostenträger hierfür anzufragen sind. Auch die
Beratung mit der Frage der (Teil-)Berentung kann wichtige Hilfestellungen geben.
Bei schwerer betroffenen Personen müssen die Leistungen nach dem Pflegegesetz
oder dem Schwerbehindertengesetz bekannt sein. Auch hier muss man wissen, an wen
man sich als Betroffener wenden muss.
Kennedy-Syndrom - Stationäre Behandlungsmaßnahmen (Rehabilitation)
Regelmäßige ambulante Behandlungen sind in der Regel erforderlich, um Fähigkeiten kontinuierlich auf einem möglichst stabilen Niveau zu erhalten. Um latent vorhandene Fähigkeiten und muskuläre Funktionen zu verbessern, den Verlauf damit günstig zu beeinflussen, ist die spezialisierte stationäre Rehabilitation notwendig. Wenn die Erkrankung durch Verschlechterung von Funktionen es erfordert, kann sie in verkürzten Abständen erfolgen, beispielsweise jährlich. Mit einem entsprechenden Antrag durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen wenden Sie sich an den zuständigen Kostenträger. Für Berufstätige ist der zuständige Kostenträger der Rentenversicherungsträger, also die Deutsche Rentenversicherung (früher BfA oder LVA). Steht der Patient nicht mehr im Berufsleben, ist der Antrag in der Regel an die Krankenkasse zu stellen.
Neuromuskuläre Erkrankungen sind selten. Deshalb ist es wichtig ist, dass die Behandlung in einer Rehabilitationsklinik stattfindet, die in der Behandlung neuromuskulärer Krankheitsbilder versiert ist. Es ist erforderlich, dass die Therapeuten regelmäßig Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen behandeln. Intensität und Art der Behandlung unterscheiden sich deutlich von der Behandlung anderer neurologischer Erkrankungen.
Die Neurologische Abteilung der Klinik Hoher Meissner hat den Schwerpunkt der Behandlung neuromuskulärer Krankheiten aufgebaut. Unser Behandlungsprogramm umfasst je nach den individuellen Erfordernissen unter anderem die Bereiche Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Wärmetherapie und Massage. Wichtiger Bestandteil ist auch die spezielle Gesprächsrunde für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen. Austausch über den Umgang mit den Erkrankungen und Krankheitsverarbeitung sind wichtige Inhalte der Gesprächsrunde. Vierzehntägig findet ein spezielles ärztlich geleitetes Seminar statt, in dem unter anderem aktuelle Informationen über Therapien berichtet werden, die sich in der wissenschaftlichen Entwicklung befinden oder aktuell diskutiert werden. Hier besteht neben dem Einzelgespräch die Möglichkeit, weitere Fragen über die jeweiligen Erkrankungen beantwortet zu bekommen.
Informieren Sie sich auch zu den Themen Sport und Bewegung bei neuromuskulären Erkrankungen und Hilfsmittel für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der
Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen,
bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen.
Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke seit 1990
Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
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finden Sie hier.
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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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